Was ist 3Digi? 3Digi ist ein System zur elektronischen Stabilisierung für alle Achsen (Nick, Roll, Heck) in RC-Helikoptern.
Es ist aber nicht dazu da für einen zu fliegen, bzw. den Heli wieder in Horizontallage zu bringen, wenn man sich verknüppelt, sondern ist eine reine paddellose Lagestabilisierung wie AC3X oder V-Stabi oder Rondo ohne "Flughilfe".
Solche Stabilisierungssysteme (im Folgenden "Stabis") bieten gegenüber der bisher üblichen Methode über ein Bell-Hiller System (Mischerhebel sowie Paddelstange) deutliche Vorteile für den Piloten. Sie ermöglichen es, praktisch jedes Modell ohne sein paddeltypisches Eigenleben zu fliegen, soll heißen: der Heli fliegt einfach genau so, wie der Pilot möchte, ohne Zicken, ohne Wegrollen, in jeder Situation. Man muß z.B. im Vorwärtsflug nicht mehr drücken, um ein Überschneiden zu verhindern, ebenso kann man höhere Fluggeschwindigkeit oder Leistung erreichen oder auch bei gleicher Leistung höhere Flugzeiten.
Ein Stabi steuert zwischen 50 und 200 Mal pro Sekunde die Taumelscheibe an, und zwischen 50 und 333 mal das Heckservo (50Hz gilt für Analogservos, Digitalservos können mindestens 100Hz). Dabei wird klar, daß es um Vielfaches schneller reagieren kann als der Pilot, um Korrekturen anzubringen.
Auf dem linken Bild ist das normale 3Digi zu sehen, das zweihäusig ist - es hat eine würfelförmige Sensoreinheit und eine quaderförmige Recheneinheit.
Auf dem rechten Bild ist die von einem 3Digi-Benutzer entwickelte Micro 3Digi Version zu sehen, die geringfügig höher, dafür weniger tief als AC3X ist. Volumensmäßig liegt das Micro sogar geringfügig unter AC3X. Anmerkung: das Micro 3Digi ist nicht mehr verfügbar, es wird an einem Nachfolger, dem Nano 3Digi, gearbeitet (ja, noch kleiner).
Was macht 3Digi so besonders? Ganz einfach: es ist ein frei nachbaubares Design von Dirk Schmidt - das heißt, man bezahlt nur, was die Einzelteile kosten, bekommt dazu eine sehr detaillierte Bau- und Bedienungsanleitung und ist selbst für den Aufbau des Geräts verantwortlich.
Was brauche ich für die Fertigstellung? Die Elektronik ist durchgängig als SMD (Surface mount device) ausgeführt - das heißt, daß man die Bauteile nicht durch die Platine lötet, sondern eben nur auf die Oberfläche. Das benötigt spezielle Löttechnik (die aber leicht erlernbar ist!) und vor allem eine temperaturgeregelte Lötstation mit feiner Lötspitze sowie SMD-Lot (am Besten bleihaltig, auch wenn die EU-Normen für gewerbliche Anbieter das verbieten, private dürfen es verwenden - bleifreies Lot ist wesentlich schwieriger zu löten!). Wichtig ist auch noch eine gute Pinzette, ideal ist z.B. die EP150 von Reichelt.de und eine Lupe - am Besten eine, die man mittels Kopfband direkt vor den Augen montieren kann (und keine Hand dafür braucht). Belüftung bzw. ein Rauch-Abzug mit Filter ist auch anzuraten, die bleihaltigen Dämpfe sind nicht besonders gesundheitsfördernd!
Also nochmal:
1) temperaturgeregelte Lötstation
2) SMD Lötzinn, bleihaltig
3) Pinzette (z.B. EP150/Reichelt)
4) Lupe
5) Belüftung
Dazu braucht man noch die Elektronikbauteile selbst, die man in Sammelbestellungen bei rc-heli.de oder in Eigenregie erhalten kann, und drei Gyro-Sensoren von Melexis, dazu noch ein Platinenset, auf das die Bauteile aufgelötet werden.
Eine Stückliste ist natürlich vorhanden, wenn man das selbst erledigen kann/will.
In der Bauanleitung sind auch ein paar Links auf sehr hilfreiche SMD-Lötanleitungen, die man im Netz nachlesen kann.
Der Aufbau Der Aufbau ist sehr detailliert im Handbuch nachzulesen - es sind auch viele sehr anschauliche Bilder dabei. Ich werde hier nicht näher darauf eingehen sondern nur auf das 3Digi Wiki unter
http://3digi.wikidot.com verweisen. Auf der Downloads Seite ist die aktuelle Firmware, PC-Applikation und alle Handbücher frei herunterzuladen.
Die Einstellung Beim Einstellen geht man stufenweise vor - zuerst die Sensitivität auf einen sinnvollen Grundwert um ca. 50 einstellen, bzw. das Standard-Setup laden, das dem PC-Programm beiliegt.
Danach beginnt man mit der Heckeinstellung, Schritt für Schritt von Sensitivität, L/R Offset, P- und I-Faktor über DMA-Einstellungen.
Wenn das Heck zufriedenstellend funktioniert, kann man auch die Taumelscheiben-Parameter feintunen. Generell fliegen die meisten Helis auch mit dem Standard-Setup sehr brauchbar, bzw. brauchen nur mehr in Details Feinabstimmung, wenn man die Sensitivität richtig justiert hat.
Generell gilt - schwammiges Verhalten bedeutet zuwenig Sensitivität; wenn der Heli sich schwammig anfühlt, lieber gleich landen und mindestens 10 mit der Sensitivität hinauf auf der betreffenden Achse (Nick/Roll/Heck).
Schnelle Schwingungen (5-10Hz) kommen von zu hohem P-Faktor, langsame (1-2 Hz) kommen von zu hohem I-Faktor.
Wenn der Heli im schnellen Vorwärtsflug überschneidet (also die Nase ungesteuert stark nach oben nimmt und bis zu 90° nach oben abbiegt), dann sollte der IBereich erhöht werden, wenn der Heli unterschneidet verringert.
Sehr hilfreich hierbei ist die eingebaute Flugdatenaufzeichnung - ja, richtig gelesen: hier fliegt ein Logger mit! Es werden alle RC-Eingänge (also Steuerbefehle von der Funke), Sensordaten und Reglerwerte aufgezeichnet. Mittels dieser Aufzeichnung kann man z.B. die Taumelscheibe perfekt trimmen, den L/R Offset am Heck korrekt justieren, ...
Es ist ein objektives Mittel, um Optimierungsergebnisse genau analysieren zu können. Der Pilot kann das im Flug nicht immer zu 100% machen, besonders, weil das Stabi-System einiges "versteckt", wie nicht perfekt gerade Taumelscheibe oder eben inkorrekte Vorspur am Heckrotor.
Das Ergebnis ...perfekte Flugstabilisierung für den kleinen Geldbeutel.
Natürlich ist einiges an Eigeninitiative erforderlich, um das 3Digi aus seinen Einzelteilen zu einem funktionierenden Ganzen zu machen, doch es lohnt sich wirklich, und man hat auch selbst anderweitigen Nutzen davon - SMD Löten ist gar nicht so kompliziert, wie man zu glauben geneigt ist, man lernt auch ein paar nützliche Grundlagen über Elektronik und Regelsysteme.
Inzwischen habe ich 2 Helis mit 3Digi ausgestattet und eingeflogen, einen SJM 430 und einen SJM 325. Beide sind dadurch viel eigenstabiler geworden, bei gleichzeitiger Steigerung der Agilität. Ebenso ist die Leistungsausbeute gestiegen, bzw. die Flugzeit bei gleicher Leistung. Obwohl der SJM 325 nur Analogservos auf der Taumelscheibe montiert hatte, flog auch dieser sehr gut, auch wenn das Einrastverhalten deutlich weicher war als mit Digitalservos. Generell gilt, mit Digitalservos läßt sich ein besseres Regelergebnis erreichen als mit analogen, da sie genauer und schneller stellen und meist auch mehr Kraft haben.
...und wie komme ich zu meinem 3Digi? Ganz einfach:
1) über das Registrierungsformular unter
http://3digi.wikidot.com/reservierungsformular könnt ihr euch für die laufende Charge registrieren. Nachdem genug Reservierungen eingegangen sind, bekommt ihr die Zahlungsdetails zugesendet, und dann geht's los.
Der offizielle Thread zum 3Digi ist unter
http://www.rc-heli.de/board/showthre...p?t=106410 zu finden.
Es gibt, wie oben kurz erwähnt, auch ein Wiki zu 3Digi unter
http://3digi.wikidot.com - in diesem finden sich auch die bisher erflogenen Setups, es lohnt sich also, vorbeizuschauen! Ebenso werden dort die aktuellen Software-, Firmware- und Handbuch-Versionen zum Download bereitgestellt.
Am schnellsten wird einem meist im Chat geholfen, auf den man mittels Web-Chat auf RC-Heli.de oder mittels eines IRC-Clients zugreifen kann. Der Server ist irc.rc-heli.de (Port 6667), Kanal #3Digi.
In diesem Sinne: 3Digi ist nicht nur ein Projekt, das man selbst nachbauen kann - man kann auch aktiv mitentwickeln (siehe Micro 3Digi, das stammt von einem Benutzer) bzw. als Tester direkt mit dem Entwickler zusammenarbeiten, oder auch andere an seinen Erfahrungen teilhaben lassen im Wiki und auf anderen Plattformen.
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Hallo Simon,
hab Dank für den Bericht, bei der Dritten Charge bin ich dabei, ein tolles Winterprojekt für meine Jaguar-Tiger-Ente
Grüsse Karsten